Proaktiv sein – zwischen Stimulus und Reaktion

Vor mehr als 10 Jahren empfahl mir ein Kollege Stephen Covey’s Buch „Die 7 Wege zur Effektivität. Prinzipien für persönlichen und beruflichen Erfolg“. Obwohl das Buch nicht leicht zu lesen war, war ich von Anfang an fasziniert von der Klarheit und Logik, mit der Covey die 7 Wege nicht nur beschreibt, sondern auch mit vielen anschaulichen Beispielen untermauert.

Die „7 Wege“ gehören zu den wenigen Büchern, die ich nicht nur las, sondern in vielen Bereichen meines Lebens anwenden konnte. Allerdings ist es keine einfache „Tool-Sammlung“, die Anwendung der 7 Wege erforderte schon einiges an Änderungs- und Reflexionsbereitschaft – und auch viele „Ehrenrunden“, ein Zurückfallen in alte Muster und Verhaltensweisen.

Besonders herausfordernd war für mich der 1. Weg – Pro-aktiv sein, auf dem alle anderen aufbauen. Ich hatte bis dahin „Proaktivität“ als eher leeres Schlagwort gesehen und proaktive Menschen als solche mit „Macherqualitäten“ beschrieben, also Menschen, die immer die Initiative ergreifen. Covey sieht das anders und bezieht sich in seiner Definition von Proaktivität auf Viktor Frankl.

Frankl entwickelte das Prinzip der Proaktivität, das weit mehr bedeutet, als die Initiative zu ergreifen. Als Menschen sind wir selbst für unser Leben verantwortlich. Unser Verhalten leitet sich von unseren Entscheidungen ab, nicht von den gegebenen Bedingungen.

Proaktive Menschen tragen ihr eigenes Wetter in sich

„Reaktive Menschen werden von Gefühlen, den Umständen oder ihrer Umwelt getrieben“, verdeutlicht Covey, „wenn das Wetter gut ist, fühlen sie sich gut. Wenn es schlecht ist, beeinflusst das ihre Haltung und ihr Befinden. Proaktive Menschen tragen ihr eigenes Wetter in sich“. Natürlich unterliegen auch proaktive Menschen äußeren Einflüssen, aber sie reagieren anders darauf.

Den Raum zwischen Reiz und Reaktion nutzen

Das Prinzip, das hinter dem 1. Weg steht heißt: „Ich habe die Wahl und ich bin verantwortlich für meine Entscheidungen“.

Reaktive Menschen lassen es zu, dass äußere Einflüsse (Stimmungen, Gefühle und Umstände) ihre Reaktionen beeinflussen.

Wie oft sind ihre Reaktionen von äußeren Einflüssen beeinflusst? Wie reagieren Sie auf den Drängler hinter Ihnen auf der Autobahn oder in einer emotionsgeladenen Situation?

Pro-aktive Menschen halten inne, um sich selbst die Freiheit zu geben, ihre Reaktionen auf Basis von Prinzipien und gewünschten Ergebnissen zu wählen.

Den Raum zwischen Reiz und Reaktion zu nutzen ist für mich das Kernstück von Proaktivität. Nicht unmittelbar aus einer Emotion heraus zu handeln, sondern kurz „Stop!“ zu sagen und sich zu fragen „Was will ich eigenlich, was soll das gewünschte Ergebnis sein?“

Den wesentlichen Unterschied zwischen Tier und Mensch sieht Covey darin, dass der Mensch selbst in der Hand hat, wie er auf einen Reiz (Stimulus) reagieren kann. Das ist für ihn der tiefere Sinn von Verantwortung: Ver-Antwortung – den Reiz in eine Antwort umzuwandeln, nicht nur in eine Reaktion.

 

 

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