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Evocative Leadership – Führung für das 21. Jahrhundert

Diesen Artikel schreibe ich als Beitrag zur Blogparade: Führung 2020 – Herausforderungen & Lösungsansätze von Gudrun Happich.

Der Titel „Evocative Leadership“ kam mir in den Sinn, weil ich letzte Woche an einer Veranstaltung meiner Kollegen von nowhere teilnahm, die genau unter diesem Titel stand. Bei diesem „Creative Dialogue“ ging es auch um die Frage, wie Führung im 21 Jahrhundert aussieht.

Über die Herausforderungen, denen sich Führungskräfte heute stellen müssen, wurde schon viel geschrieben und ich erlebe in meinen Seminaren mit Führungskräften eine zunehmende Verunsicherung und oft auch Frustration – hauptsächlich deshalb, weil bei den Menschen immer mehr das Gefühl entsteht, mit dem persönlichen Wissen und Fähigkeiten „anzustehen“, an Grenzen zu stoßen – in einem Umfeld, das geprägt ist von Unbeständigkeit, Unsicherheit, Komplexität und Mehrdeutigkeit. Oder wie es ein englischer Kollege ausdrückte: „We live in a VUCA-World (volatility, uncertainty, complexity, ambiguity)“.

Was sind nun die Kern-Kompetenzen, die es Führungskräften ermöglicht, mit diesen Umständen besser umzugehen? Welche Fähigkeiten und Skills können sie sich aneignen? Wie sieht das Profil eines „next generation leaders“ aus?

 

Ich denke, dass je unbeständiger und unsicherer das Umfeld ist, umso wichtiger werden Innovationen – um elegant auf die Herausforderungen reagieren zu können. Die Fähigkeit aber, Innovationen hervorzubringen, eine Innovationskultur zu schaffen, die das kreative Potenzial der Menschen freisetzt, wird sehr stark vom Weltbild oder den Einstellungen von Führungskräften beeinflusst. In vielen Fällen wirkt das eher einschränkend – Führungskräfte stehen sich dann selbst im Weg.

Gemeinsam mit meinen Kollegen von nowhere sind wir der Frage nachgegangen, was Führungskräfte brauchen, um die Zukunft erfolgreich und nachhaltig zu gestalten. Worauf sollen sie achten, welche Fähigkeiten und Kompetenzen können und sollten sie sich aneignen?

Wir haben 4 Fokus-Bereiche und 4 komplexe Fertigkeiten (Kompetenzen, Qualitäten) identifiziert, auf die sich Führungskräfte ihre Aufmerksamkeit richten sollten:

 

Worum geht es nun bei diesen einzelnen Bereichen bzw Fertigkeiten?

Die 4 Fokus-Bereiche

Bestimmung

Eine der faszinierendsten Erfahrungen, die ich im Laufe der Jahre gemacht habe, war die Tatsache, wie unterschiedlich und oftmals austauschbar Begriffe und Konzepte wie „Mission“, „Vision“, „Bestimmung“, „DNA“ oder „Ambition“ verwendet werden.

Bei Konzepten wie diesen bestehtdie Gefahr, dass sie zu sinnentleerten Phrasen werden. Oder sie müssen als Eye Catcher in Werbeslogans herhalten, die sich ein paar clevere Köpfe in ihrem Kämmerchen zusammengereimt haben. Als solche werden sie dann an Unternehmen oder Organisationen verkauft und nicht selten mit offenen Armen als d i e neue Management-Weisheit der aktuellen Stunde empfangen.

Das Konzept, das sich in unseren Augen vom Rest der genannten Schlagwörter abhebt, ist jenes, das im Begriff „Bestimmung“ (purpose) mitschwingt. Wir denken uns eine Bestimmung nicht aus. Wir können sie entdecken oder wiederentdecken. Sie ist immer schon in jedem von uns vorhanden – und sie ist auch jene treibende Kraft, die Organisationen ins Leben ruft, sie formt und zusammenhält. Worin liegt nun die einzigartige Bestimmung Ihrer Organisation? Was hält sie zusammen und was ist das gewisse Etwas, durch das Sie sich vom Rest unterscheiden wollen?

Die Bestimmung einer Organisation ist nicht nur dazu imstande, formale Veränderungen zu veranlassen, sondern kann auch einen Wandel hinsichtlich der Energie eines Unternehmens beschleunigt herbeiführen. Sie ist in der Lage zu erneuern und das Unternehmen wieder auf ein gemeinsames Ziel auszurichten. Außerdem hat sie die Kraft, Begeisterung für einzigartige strategische Wege einzuleiten, denen Wettbewerber kaum folgen können. Um all das zu erreichen, muss unsere Bestimmung jedoch authentisch sein und Anklang finden. Sie muss einen Raum für die Menschen im organisatorischen Kontext schaffen, damit sie effektiv ihren eigenen Beitrag leisten können. Sie muss die Hoffnungen und Erwartungen des Unternehmens mit jenen der Mitarbeiter in Einklang bringen.

Beziehungen

Um eine inspirierende und innovative Organisation aufzubauen, müssen wir eine Kultur des gegenseitigen Umgangs miteinander schaffen, die auch tatsächlich Raum für Inspiration und Innovation offen lässt. Eine Kultur also, in der der eine den anderen unterstützt, um gemeinsam große Herausforderungen in Angriff nehmen zu können. Um solch kreative Beziehungen eingehen zu können, bedarf es der geübten und disziplinierten Anwendung gewisser Hilfsmittel und Mikro-Skills. Ins Unbekannte vorzudringen macht erst Spaß, wenn wir uns im richtigen Beziehungsumfeld befinden und uns die geeigneten Hilfsmittel und Skills zur Verfügung stehen.

Kreative Beziehungen erfordern, dass das Verhältnis zwischen Unterstützung und Herausforderung stets ausgewogen ist oder aber die Unterstützung überwiegt. Dies gilt für Einzelpersonen ebenso wie für Gruppen und Organisationen. Indem wir der Dynamik zwischen Personen innerhalb eines Teams, und verschiedener Teams untereinander, Aufmerksamkeit schenken, können wir beginnen, tief verankerte kulturelle Muster zu verändern, um durch Innovation Wachstum herbeizuführen.

Die vorherrschende Kultur in einem Unternehmen oder einer Organisation kann entweder als festes Fundament für ein gemeinsames Abenteuer dienen oder bloß leere Hülle sein. Wir entwickeln Kulturen auf Grundlage dessen, was wir erreichen wollen. In einer kreativen Beziehung wissen wir, was unser Ziel ist: unsere Bestimmung. Wir können den notwendigen Beziehungstypus vereinbaren und auch, in welcher Art und Weise wir miteinander agieren und kommunizieren wollen. Wir können formelle Wege oder Umgangsformen entwickeln, um diese Vereinbarungen festzulegen. Um ein derartiges kulturelles Umfeld ins Leben zu rufen und aufrechtzuerhalten, muss jeder von uns persönliche Verantwortung übernehmen und die Vereinbarungen tatsächlich umzusetzen. Es muss uns bewusst sein, dass nur wir selbst mit der Umsetzung kultureller Übereinkommen beginnen können.

Interdependenz

Wenn wir uns über unsere gemeinsame Reiseroute im Klaren sind, und auch darüber, was uns verbindet und stimuliert, können wir jenes Wachstumspotenzial erschließen, das in und zwischen Personen, Teams, Abteilungen und Organisationen vorhanden ist. Innovation liegt häufig an kritischen und neuartigen Schnittpunkten. Wir konzentrieren uns darauf, wie wir die Bedingungen optimieren können, wollen wir eine co-kreative Kultur entwickeln, die weiß, wie man tiefes und nachhaltiges Wachstum unterstützt.

Wir sind aufgefordert, verschiedene Ansätze zu entwickeln, die unsere individuellen Fähigkeiten, unsere Entwicklung und unseren Selbstausdruck unterstützen. Wir alle müssen wachsen, um uns weiterzuentwickeln und immer mehr zu dem zu werden, wer wir sein können. Dabei wird der Raum zwischen uns immer reicher und eröffnet uns neue Potenziale und Gelegenheiten. Die besten Sportteams sind diejenigen, wo jedes Teammitglied seine individuellen Fähigkeiten maximiert hat. Und auch die Magie des Raumes entfaltet sich erst dann, wenn all die einzigartigen Talente wechselseitig zusammenarbeiten, um echtes Teamwork entstehen zu lassen.

Es liegt an uns, wie wir an unsere Vielfalt herangehen. Wir können im Vergleich und im Gegensatz zueinander stehen. Wir können zustimmen und ablehnen. Wir können einander ignorieren oder einander bekämpfen. Wir haben aber auch die Möglichkeit, aus der Entweder-oder-Haltung auszubrechen und eine ganzheitlichere Sicht der Dinge einzunehmen – eine Sowohl-als-auch-Perspektive. Letztere ermöglicht uns, unsere Unterschiede zu überwinden, und so den eigentlichen Unterschied auszumachen, damit wir in den Raum zwischen uns eintauchen und das darin latent vorhandene Potenzial nutzen können. Aber ohne eine entsprechende Grundenergie, die uns verpflichtet und uns auf unserer gemeinsamen Suche hält, entfernen wir uns zumeist wieder von diesem latenten Potenzial. Wir bleiben weiterhin abhängig von unserem Wissen oder unabhängig und getrennt vom Wissen anderer. Die Herausforderung besteht in diesem Sinn darin, wie wir es als Individuen, Teams und Organisationen schaffen können, unsere Interdependenzen, unsere Unterschiede und jeweilige Einzigartigkeit zu nutzen und zu genießen.

Das folgende Zitat von Margaret Wheatley lädt uns ein, einen neuen Blick auf die Arbeitsweise unserer Organisationen zu werfen, und wie sie unsere Fähigkeit aktivieren oder deaktivieren, zusammenzukommen und unser kreatives Potenzial freizusetzen.

„Organisationen streben nach einem neuen Ideal. Wir wollen, dass Organisationen anpassungsfähig, flexibel, selbsterneuernd, belastbar, lernfähig und intelligent sind – Merkmale, die man nur bei lebenden Systemen findet. Die Krux an der Sache ist, dass wir wollen, dass sich unsere Organisationen wie lebende Systeme verhalten, wissen aber nur, sie als Maschinen zu behandeln.“

Strategische Innovation

Stellen Sie sich vor, wie sie es in Angriff nehmen werden, Innovationen umzusetzen. Sie durchbrechen Beschränkungen, sie handeln instinktiv. Da ist Kraft und Flow in allem was sie tun. Sie handeln wie ein Kampfsportler. Ihre Bewegungen sind so geübt, dass sie keinen Gedanken dafür benötigen und doch reagiern sie mit totaler Fexibilität auf die Anforderungen des Augenblicks.

Wie die Jäger bereiten sie sich sorgfältig auf die Jagd vor. Sie stellen die richtigen Ressourcen in Bezug auf Menschen und Fähigkeiten zusammen. Sie führen ihre Arbeit im Interesse der Stakeholder des Systems durch, die an der Erstellung des Plans beteiligt waren und ihn voll und ganz unterstützen. Dieselben Stakeholder wissen aber auch, dass, sobald die Aktion beginnt, der Plan sich fast zwangsläufig ändert, sodass sie ihre Unterstützung dem Grundgedanken und den Menschen geben, nicht den Details des Plans. Zuletzt wurden die Risiken oder die finanziellen Auswirkungen auf ehrliche Weise bewertet und abgestimmt, sodass jeder in Übereinstimmung, fokussiert und bereit ist.

Ralph Waldo Emerson sagte, ‚Nichts Wichtiges wird jemals ohne Begeisterung erreicht werden‘. Es ist das Gefühl, das wir haben, wenn wir um etwas kämpfen, woran wir glauben, aber von dem wir nicht notwendigerweise einen persönlichen Vorteil haben – Aktion, die unserer Bestimmung folgt!

Tiefe Begeisterung entsteht in Gemeinschaften, wenn Inspiration und Innovation im Dienst einer an der Bestimmung orientierten Vision und von strategischen Zielen sind. Zusammen werden sie zur Spitze unseres Pfeiles. Wenn sie klar und scharf sind dringen sie durch. Wenn sie unklar und stumpf sind, tun sie das nicht, und so werden wir wahrscheinlich Gelegenheit nach Gelegenheit verpassen.

Mit der Fähigkeit, sich schnell und mit Anmut zu bewegen, entsteht die Notwendigkeit entscheidendungsfreudig zu sein. In dieser Eigenschaft von Entschlossenheit liegt eine andere wichtige Quelle von Magie: Unsere Fähigkeit, die zwei oder drei Prioritäten zu erkennen, die wirklich den Unterschied ausmachen. In den meisten Fällen verlieren wir uns in der Unzahl von Dingen, die wir tun müssen verlieren jene Dinge aus dem Auge, die tatsächlich den größten Effekt haben.

Es gibt verschiedene Formen des Wissens. Wir können mit unseren Köpfen wissen. Wir können mit unseren Herzen wissen. Und wir können mit unserem „heart-mind“ wissen. Dieses Wissen entspringt der idealen Verschmelzung unseres Intellekts und unserer Emotionen. In diesem Zustand sind wir entschlossen und instinktiv. Unsere Gedanken und Emotionen handeln in Übereinstimmung, und entfesseln die fantastische Kraft des Menschen, der von Mut, Überzeugung, Freude, Entschluss und Disziplin angetrieben wird.

Es ist ein wenig wie Segeln. Wir wissen, wohin wir hin wollen. Wenn wir aufbrechen, arbeiten wir mit dem, was ist. Wir arbeiten mit den sich ändernden Windverhältniss und werden gezwungen zu kreuzen, um uns fortzubewegen. Jede Änderung der Richtung ist kein Umweg, sondern unsere Strategie (umgesetzt) in Aktion, aus dem direkten Kontakt mit unserer Umgebung sich entwickelnd, in einem konstanten Entfalten unserer Absicht. Auf diese Weise werden unsere Strategien von einer Erfolgsspirale von Aktion und Reflexion, Planung und Entstehung unterstützt. Und doch nutzen wir zu jeder Zeit unsere Emotionen und unsere Begeisterung, wie die führenden Federn eines Pfeils.

Die 4 komplexen Fertigkeiten

Präsenz

Manche Menschen verfügen von Natur aus über diese Fähigkeit, andere lernen, sie zu entwickeln. Einige Zweige der Psychotherapie sowie Beratungs- und Coachingarbeit bieten wirksame Methoden, um diese Fähigkeit zu erhöhen. Menschen, die diese Fähigkeit vervollkommnet haben, besitzen eine auffallende Anziehungskraft, da sie hinter die Kulissen des Lebens blicken können. Sie lassen sich nicht so stark von der Form der Dinge beeindrucken, wie der Rest von uns. Worte, Handlungen oder Verhaltensweisen können sie nicht ablenken oder in die Irre führen.

Hinter diesen Äußerlichkeiten liegt unser eigentliches Selbst, unser wahrer Kern. Wer wirklich präsent ist, ist sich seines wahren Wesens um vieles bewusster und nimmt dies auch bei den Menschen in seinem Umfeld wahr. Wer im gegenwärtigen Augenblick lebt, achtet darauf, wie es den anderen geht und wie die Beziehungen untereinander verlaufen. Die Einfühlsamsten können mittels ihrer Fertigkeit und Empathie benennen, was sie sehen und so einen Ausgleich zwischen der Form und dem wahren Wesen schaffen.

Wenn wir Präsenz üben, steigert sich unsere Wahrnehmungsintelligenz und wir können sie dazu nutzen, unsere engeren Beziehungen zu vertiefen. Wenn wir präsent sind, lernen wir Verantwortung für unsere Gefühle zu übernehmen, wie wir uns fühlen. Wir werden damit aufhören, unsere Männer, Frauen, Partner, Mütter, Väter und Kollegen dafür verantwortlich zu machen, wie es uns geht und beginnen, unsere Gefühle mit ihnen zu teilen, um mehr über uns selbst in der Interaktion mit anderen zu erfahren.

Wenn uns dies gelingt, erleben wir oftmals die ersehnte Vertrautheit und das Gefühl von Einheit, weil wir uns nicht mehr darüber beklagen, dass dem nicht so ist. Auf einmal werden unsere Familien und Kollegen zu Quellen unseres persönlichen Wachstums. Es handelt sich dabei um Schwerstarbeit, denn unsere persönlichen Abwehrmechanismen nehmen leicht überhand – und das Gefühl von Ärger füllt dann jenen Platz aus, der eigentlich für unsere Präsenz reserviert ist. Wenn wir es dennoch schaffen, präsent zu sein, können wir füreinander mehr Wertschätzung aufbringen und uns an einer kreativeren Beziehung erfreuen. Ganz natürlich bewegen wir uns als Folge auf einen Bereich zu, in dem wir gemeinsam co-kreieren können.

In Gruppen besitzt gemeinsame Präsenz die Fähigkeit, das Energiefeld zu verstärken und so die Voraussetzungen für das Erreichen eines kollektiven Durchbruchs drastisch zu erhöhen. Präsenz ist die Grundbedingung dafür, dass wahrer Dialog stattfinden kann. Ein fruchtbarer Dialog entsteht im Raum zwischen den Menschen, wenn untereinander ein Flow entsteht, der neue Bedeutung und überraschende Einsichten möglich macht.

Intentionalität

Eckhart Tolle hat es einmal treffend formuliert: zu sagen „Ich denke“ ist so, als würde man behaupten, „Ich lasse mein Blut zirkulieren oder ich verdaue“. Wir denken ununterbrochen – und es handelt sich dabei um einen autonomen Prozess. Wir können nicht einfach aufhören zu denken. Was wir aber sehr wohl tun können, ist eine Wahl zu treffen, woran und wie wir über etwas denken.

Wir müssen lernen, unsere Bestimmung wie ein Magnet in unsere Richtung zu lenken, indem wir uns bewusst in den Inhalt und die Beschaffenheit unserer Gedanken einklinken. Um es zu verdeutlichen: Es geht hier nicht um „positives Denken“ oder um „Hobbypsychologie“, die uns vorgaukeln will, schnell reich werden oder andere Leute manipulieren zu können. Hier geht es um die Möglichkeit, auf uns selbst und größere soziale Systeme einzuwirken, uns in den Zustand des Fließens (Flow) zu versetzen und dadurch zielgerichtete Wege mit möglichst geringen Widerständen zu co-kreieren.

Wenn wir diesen Zustand erreichen wollen, müssen wir uns von unserem mechanistischen Weltbild lösen, das allein auf dem Prinzip von Ursache und Wirkung beruht. Wir sollten anerkennen, dass die Welt ein unendliches, miteinander verbundenes Netzwerk ist, das chaotisch und unvorhersehbar agieren kann. Mit der Kraft unserer Intention können wir diese unendliche Vernetzung jedoch durchkreuzen und Ordnung ins Chaos bringen. Wir besitzen die Fähigkeit, uns das, was wir erschaffen wollen, so lebhaft vorzustellen, dass es Realität wird.

Das Potenzial unserer Intention wächst exponentiell, wenn es zu einer kreativen Beziehung mit anderen Menschen kommt, deren Bestimmung mit unserer in Einklang steht. In unserer Rolle als Katalysatoren, als „Beschleuniger des kreativen Prozesses“ und in unserer Rolle als Führungskräfte, müssen wir diese geeigneten Wegbegleiter ausfindig machen. Erst dann können wir uns in den Dienst einer gemeinsamen Bestimmung stellen und einen gemeinsamen „innersten Kern“ schaffen. Es liegt in unserer Hand, diesen Kern zu einem „energetischen Wirbel“ auszudehnen, der eine Art natürliche Anziehungskraft entstehen lässt, ein natürliches Neigen des Universums, das Gleichgesinnte mit verschiedensten Ideen anzieht, um im Sinne einer gemeinsamen Bestimmung zu arbeiten.

Durch die Geschichten, die wir uns erzählen, beginnt der Aufbau einer neuen, kollektiven Identität. Wir gehören einer Gemeinschaft an, die in Einklang mit unseren Werten und Glaubenssätzen steht, und wir sind stolz darauf, hier unseren Platz gefunden zu haben. Es treibt uns an, unsere Wirklichkeit werden zu lassen. Mehr noch, wir erschaffen Organisationen und soziale Gruppen, die sich ihrer Bestimmung bewusst sind und eine kollektive Intention verfolgen. Je stärker diese kollektive Intention verfolgt wird, umso mehr Möglichkeiten werden sich auftun, um sie Realität werden zu lassen. Wir beginnen, Sinn und Bedeutung gemeinsam zu erschaffen.

Voraussicht

Mit Voraussicht ist ‚die Wahrnehmung der Bedeutung und der Natur von Ereignissen, bevor sie geschehen oder der Akt des Vorausblickens‘ gemeint.

Wir sollten die Zukunft nicht durch die Linse der vorhandenen dominierenden Kultur erfassen. Das führt im besten Falle zu einer lineare Hochrechnung der Gegenwart und im schlechtesten Fall ist es reine Hoffnung oder sogar Fantasie.

Die Herausforderung liegt darin, hinter das Sichtbare zu sehen. Sobald wir unsere Augen dem Unsichtbaren öffnen, sehen wir, wie wir buchstäblich von der Zukunft umgeben werden, weil sie sich in den natürlichen Zyklen und Rhythmen des Lebens, der Gesellschaften und der Organisationen widerspiegelt. Wenn wir lernen, diese natürlichen Zyklen zu erkennen und mit ihnen zu arbeiten, schaffen wir öfter kreative und strategische Durchbrüche, und der kulturelle Widerstand gegenüber Veränderung vermindert sich.

Innerhalb, zwischen und hinter dem systemischen Netz von Komplexität und Chaos liegt die Zukunft. Wenn wir unsere Fähigkeiten erhöhen, dieses Netzwerk zu nutzen und zu verstehen, beginnen wir, erste Eindrücke von neuen Ordnungen, neuen Bedeutungen und neuen Möglichkeiten zu bekommen, die uns vorher nicht zur Verfügung standen.

Während unser Wahrnehmung und unser Bewusstsein für die Zukunft wächst lernen wir, unsere Zukunft in die Gegenwart zu ziehen, sodass wir neue Möglichkeiten ergreifen können und dabei unsere Herzen und unseren Verstand für das öffnen, was sein könnte. Das löst für gewöhnlich drei entscheidende Ergebnisse aus.

Erstens einen gemeinsamen Sinn dafür, was direkt vor unseren Füßen liegt – manchmal erleben wir es als ein ‘Aha’-Erlebnis oder als ‚Natürlich, warum haben wir nicht früher daran gedacht?‘.

Zweitens beginnen wir uns mit einem zunehmenden Gefühl von Bereitschaft und Timing der Zukunft zuzuwenden. Wir stellen uns auf Dinge besser ein. Wir wissen, wann wir handeln sollten und wann nicht. Wann wir die Gelegenheit ergreifen und wann wir warten sollten. Wann wir nachdrücken und wann ziehen sollten. Und wir erleben immer mehr Momente von Synchronizität, wenn wir beginnen, uns den natürlichen Rhythmen des Lebens anzupassen.

Drittens zwingt uns unser Streben nach Wachstum, die Zukunft aktiv zu gestalten. Unsere Lernblockaden fallen weg, und wir wollen mehr darüber zu lernen, wie man die unsichtbaren Kräfte, die am Werke sind, erkennt und wie man mit ihnen zusammenarbeitet.

Die nächste Herausforderung ist, mit dem Ganzen verbunden zu bleiben. Denn die Zukunft und das Potenzial, das sie in sich birgt. zu durchwandern, ist selten eine geradlinige Reise. Zu Voraussicht muss jetzt Entschlossenheit und Vertrauen kommen. Denn es wird zweifellos eine Achterbahnfahrt werden und wir müssen die Nerven behalten, wenn die Sache schwierig wird.

Transformation

Hier geht es um Transformation und Nachhaltigkeit.

Sobald sich eine Organisation für eine neue Strategie entschieden hat, muss sie mehr tun als sie einfach umzusetzen, um einen transformierenden Effekt zu erzielen. Die Kunst ist, mit der transformierenden Kraft zu arbeiten.

Wir können uns so leicht im Inhalt von Gesprächen verfangen und vergessen, unsere Bewusstheit zu erhöhen und unserer Lebenskraft und Lebendigkeit Beachtung zu schenken. Und ohne Lebenskraft und Lebendigkeit fehlt es uns an Energie, um uns freizumachen und durchzubrechen. Wir sind unfähig, den nötigen Schwung zu erzeugen, um unsere Organisationen auf „höhere Umlaufbahnen“ zu katapultieren oder sie in neue Zustände zu transformieren.

Ohne diese Sorgfalt und Aufmerksamkeit, was sich wirklich entfaltet, sind wir unfähig, unsere kreative Grenze zu entdecken. Wir denken, wir sind ein kreatives Team oder Gemeinschaft, aber in Wirklichkeit tun wir auf subtile Art und Weise alles was wir können, um innerhalb unserer Konfortzonen zu bleiben und tun, was wir immer getan haben. Das manifestiert sich häufig als Höflichkeit, Einigkeit und stillschweigende Hierarchien. Stattdessen sollten wir Neues hervorrufen.

Der erste Schritt, um das Neue hervorzurufen ist, das Alte zuvollenden, darüber nachzudenken und daraus zu lernen. Solange wir fühlen, dass unsere emotionalen Reaktionen nicht gehört worden sind, entgleitet uns persönlich und kollektiv die Lernerfahrung. Wenn wir unsere emotionalen Erfahrungen jedoch teilen, sind wir im Stande, sie dazu zu verwenden, uns auf die nächste Phase der Reise vorzubereiten.

Während wir etwas über uns selbst, übereinander und über das Geschäft und die Branche erfahren, verändert sich unsere Energie. Wir werden unser Gepäck los, und neue Wege deuten sich an. Wir beginnen, das Neue hervorzurufen und uns nach der nächsten inspirierenden Einsicht zu sehnen.

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