Das Geheimnis des Haiku – tiefe Einsichten in 3 Zeilen

Was ist ein Haiku ?

Haiku sind japanische Kurzgedichte. Meist ausgehend von einer Naturbetrachtung wollen sie anregen, über die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit des Seins nachzudenken. Ein Haiku will eine Stimmung auf kleinstem Raum mit minimalen Mitteln wiedergegeben.

Oft soll der Leser aus dem Kleinen heraus auf das ganze Universum und seinen eigenen Platz darin blicken können. Manchmal aber gibt ein Haiku auch bloß die augenblickliche Gemütslage der AutorInnen wieder.

Haiku sind immer Dreizeiler mit der Silbenfolge 5-7-5. In der japanischen Sprache mit den kurzen vokalreichen Silben und der freien Wortstellung finden sich Anklänge an das 5- und 7-silbenmuster.

Die Beliebtheit des Haiku hängt auch mit der Kürze zusammen, denn einen klar strukturierten Dreizeiler mit 17 Silben (etwa das Mass eines Atemzuges) und einem festen Silbenmuster können auch leicht erlernt und behalten werden.

Vor einiger Zeit hat Roland Kopp-Wichmann auf seinem Persönlichkeitsblog seine Leser zu einem „Haiku-Wettbewerb“ eingeladen. Dort finden sich auch weitere Informationen sowie einige schöne Haikus…

Das Geheimnis des Haiku

Der Haiku-Dichter begnügt sich damit, das Ereignis dem Leser unmittelbar hinzustellen, Kommentierungen oder kunstvolle Wortschöpfungen sind nicht gefragt. Die Haiku-Kunst besteht darin, das beschriebene Bild im Leser aufflammen zu lassen; der Leser soll es für sich selbst vervollständigen können und dadurch zurückfinden zum inneren Anlass des Haiku.

Denn Haiku sind festgehaltene Augenblicke, der Leser soll die Möglichkeit haben nachzufühlen, was unausgesprochen, vielleicht sogar unaussprechbar, bei einem Haiku mittransportiert wird.Ein Haiku lässt sich schwer beschreiben. Seine drei Zeilen verhindern ganz von selbst, große und lange Worte darüber zu verfassen. In seiner konkreten Knappheit macht es aufgeblasene Erklärungen lächerlich. Das Haiku führt den Leser über die ersten beiden Zeilen so weit, dass er bereit für die letzte ist – die ihn blitzartig in die Wirklichkeit führt. Es zwingt den Leser, an der Schöpfung des Werks teilzunehmen. Damit erreicht es eine Tiefe, die mit Worten nicht zu erzielen ist.

Ein Haiku drängt nicht nach Größe und Erhabenheit, ist frei von Ehrgeiz oder pädagogischen Zielen, gleich welcher Art. Es drängt sich dem Leser nicht auf, versetzt ihn trotzdem unmittelbar in ein Geschehen, einen Gedanken. Es wirkt nicht auf den Menschen ein, es wirkt im und durch den Menschen selbst als Ereignis.
„Wenn man sich mit der japanischen Kunst befasst, dann sieht man, wie ein unbestreitbar weiser und philosophischer und kluger Mann seine Zeit womit verbringt? Die Entfernung des Mondes von der Erde zu studieren? Nein. Die Politik Bismarcks zu studieren? Nein. Er studiert einen einzigen Grashalm“ (Vincent van Gogh)

Einsichten in 3 Zeilen

Bei der Arbeit mit den 8 Fragen laden wir Menschen ein, ihre Einsichten und Erkenntnisse zuerst in einer kurzen Geschichte zusammenzufassen und dann ein Haiku zu kreieren, der die Essenz der Erfahrung in poetischer Form ausdrückt. Schließen Sie sich unserer Online Quest an, arbeiten Sie mit den8 Fragen und schreiben Sie Ihre eigenen Haiku.

Im Buch „The Way of nowhere – 8 questions to release our creative potential” beginnt jedes Kapitel mit einem Haiku in zwei Versen. Die Haiku werden als eine den Texten vorangestellte poetische Zusammenfassung der einzelnen Richtungen verwendet. Jede Haikuzeile stellt die Kernaussage eines Schlüsselaspekts der jeweiligen Durchbruchsfrage dar.

Inspiration

Sehnend nach Ganzheit
Was woll´n die Sterne von mir
Am Heiligen Berg

Den Beweis suchend
Wird jede Blüte gehegt
Mit großer Sorgfalt

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