Cultural Creatives – wer lebt den Wandel?

Hat für Sie spirituelle (Selbst-)Verwirklichung einen zentralen Stellenwert und interessieren Sie sich für Grenzgebiete der Wissenschaft? Engagieren Sie sich für ökologische Lebensweisen und nehmen Sie Anteil an aktuellen Entwicklungen in Psychologie und Gesellschaft?

Dann teilen Sie dieses Spektrum an Interessen und Haltungen heute mit mehr Menschen, als Sie glauben. Die Ergebnisse einer repräsentativen amerikanischen Studie legen nahe, dass derzeit eine neue Bevölkerungsschicht entsteht, die jenseits von Traditionalismus und Modernismus nach neuen Wegen sucht. Der Soziologe Paul H. Ray nennt sie die „Kulturell Kreativen“ (Cultural Creatives).

Seinen Untersuchungen zufolge machen sie erstaunliche 24 Prozent der amerikanischen Gesellschaft aus. In Europa dürfte die Zahl der Kulturell Kreativen sogar deutlich höher liegen. Ihre Haltung ist gekennzeichnet durch Interesse an (auch spiritueller) Selbstverwirklichung, Wertschätzung von Beziehungen und ökologischer Lebensweise, engagierter Anteilnahme an der Welt. Weitere Merkmale sind Offenheit für fremde Kulturen und neue Ideen sowie für die Transformation der Geschlechterrollen. Aufschlussreich ist auch, was die Kulturell Kreativen ablehnen: Die Intoleranz der religiösen Rechten, den gedankenlosen Hedonismus der kommerziellen Medien und die skrupellose Umweltzerstörung im Namen des Big Business.

Obwohl die Kulturell Kreativen angeblich so viele sind, werden sie bisher weder von den Einzelnen selbst noch gesellschaftlich als eigenständige Subkultur wahrgenommen. Das heißt, es gibt noch keine oder kaum gemeinsame Medien, Parteien oder kulturelle Ausdrucksformen, in denen sich dieses transmoderne Lebensgefühl eines wachsenden Teils der Bevölkerung widerspiegeln würde. Die Zeitschriften der Mediengruppe Kulturell Kreative haben sich auf freier und ideeler Basis zusammen getan, um dazu beitzutragen, das Phänomen der Kulturell Kreativen sichtbar zu machen und die Vernetzung kulturell kreativer Interessen zu fördern.

nowhere people_275x150Unter den Kulturell Kreativen oder Kulturschöpferischen verstehen der Soziologe Paul H. Ray und die Psychologin Ruth Anderson ein Segment in der US-amerikanischen Gesellschaft, das nach ihrer Untersuchung bereits 50 Millionen erwachsene Amerikaner umfasst und auch weltweit als die am schnellsten wachsende Werteszene gilt. Basis der Untersuchung war eine Werteforschung über einen Zeitraum von 13 Jahren, bei der insgesamt 100.000 US-Amerikaner befragt wurden. Das Ergebnis wurde im Jahre 2000 präsentiert.

Die Kulturell Kreativen tragen diese Bezeichnung, weil sie die Kultur am stärksten mit neuen Gedanken bereichern und entscheidend an der kulturellen Veränderung mitwirken. In der Regel gehören sie zur Mittel- bis Oberschicht. An der Westküste der Staaten sind sie etwas stärker vertreten als in anderen Landesteilen, aber es gibt sie in jeder Region. Das Verhältnis von Frauen zu Männern beträgt 60:40.

Die Subkultur der Kulturell Kreativen wird von zwei Flügeln getragen:

Der eine ist die „Kerngruppe“ (10,6 Prozent bzw. 20 Millionen Amerikaner). Deren Mitglieder besitzen sowohl persönlichkeitsorientierte als auch „grüne“ Wertvorstellungen: Sie sind stark an Psychologie, einem spirituellen Leben, an Selbstverwirklichung und persönlichem Ausdruck interessiert, sind aufgeschlossen für Fremdes und Exotisches, verwirklichen gerne neue Ideen und engagieren sich für soziale Belange, sie streiten für die Rechte der Frauen und machen sich zum Anwalt für die Umwelt. Unter ihnen sind die meisten Vordenker und Ideengeber. In der Regel entstammen sie der oberen Mittelschicht, und es sind mit einer Quote von 67:33 doppelt soviele Frauen wie Männer.

Die Interessen des anderen Flügels, der „ökologisch orientierten Kulturell Kreativen“ (13 Prozent bzw. 24 Millionen Erwachsene) konzentrieren sich auf Umweltfragen und soziale Themen aus einer eher pragmatischen Perspektive heraus – das Interesse an Spiritualität, Psychologie oder persönlichkeitsorientierten Werten steht weniger im Vordergrund. Offensichtlich orientiert sich dieser Flügel an den Ideen der Kerngruppe. Die Mitglieder stammen meist aus der Mittelklasse.

Mit der Subkultur der Kulturell Kreativen treten neue Werte und Weltanschauungen auf die Bühne, die vor dem Zweiten Weltkrieg selten und auch noch vor einer Generation kaum bemerkt wurden. In ihr verbinden sich Menschen, die die Probleme des heutigen Systems klar erkennen, sei es auf regionaler, nationaler oder auf globaler Ebene. Dazu gehören auch Individuen, deren Anspruch an Spiritualität, persönliche Entwicklung, Authentizität, Qualität der Beziehungen und Toleranz höher liegt als bei den Traditionalisten und Modernisten. Als Ergebnis ihrer Auseinandersetzung mit den anderen beiden Weltsichten distanzieren sich die Kulturell Kreativen von vielen überkommenen Werten. Anders jedoch als die „entfremdeten“ Modernen wählen die Kulturell Kreativen harrlich Wege der Erneuerung.

Sind Sie ein „Cultural Creative“? Machen Sie doch den Test mit Hilfe dieses Fragebogens.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.